Lustspiel in vier Akten von August von Kotzebue
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Die deutschen Kleinstädter
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Unter den zahlreichen Stücken, die Kotzebue verfasste, hat bis auf wenige andere nur sein Meisterwerk "Die deutschen Kleinstädter" zwei Jahrhunderte überdauert und wird noch heute an deutschen Bühnen gespielt. Er nimmt darin einige typisch deutsche Eigenschaften aufs Korn: die Freude an Titeln und die Unterwürfigkeit gegenüber ihren Trägern, die kritiklose Haltung eigenem Denken und Handeln gegenüber und den Glauben, das eigene Gemeinwesen für unübertrefflich zu halten.
Ein junger Mann aus der Residenz dringt in das geordnete Leben einer kleinen Stadt ein, weil er um die Hand der Tochter des Bürgermeisters anhalten will. Nicht nur die Aufregung ist bei den "Kleinstädtern" groß wegen des vermeintlich hohen Besuchs, bald offenbaren sich auch scheinbar unüberwindliche Differenzen zwischen den eingefahrenen Sitten der braven Bürger und dem scheinbar respektlosen Verhalten des Großstädters, der sich über alle Konventionen hinweg setzt, die in der heilen Welt der Provinz Gültigkeit besitzen.
Krähwinkel, der Ort des Geschehens, gilt auch heute noch als Synonym für provinzielles Verhalten, in der englischen Übersetzung heißt er recht hübsch "Piffelheim". Und obwohl das Stück im März 2002 sein 200-jähriges Bühnenjubiläum feierte, hat "Die deutschen Kleinstädter" kaum an Aktualität eingebüßt. Die Titel haben sich verändert und die "provinziellen" Sitten gewandelt, und doch drängen sich bei einem wachen Blick auf die Realität in deutschen Landen schnell viele Parallelen auf. Krähwinkel lebt – und das nicht nur in der Provinz.
August von Kotzebue – ein streitlustiger Autor
August von Kotzebue wurde am 3. Mai 1761 in Weimar als Sohn eines großherzoglich-weimarischen Legationsrates geboren. Seine ersten Theatereindrückeam Liebhabertheater des Hofes sind durch Goethe geprägt und wegweisend für sein weiteres Leben. Nach Beendigung des Jurastudiums 1780 ist er als Advokat in Weimar tätig. Als er spöttische Gedichte über die Damen des Hofes verfasst, muss er das Herzogtum verlassen und geht nach Petersburg. Zarin Katharina II. schickt ihn bald als hohen Gerichtsbeamten nach Estland. 1788 schreibt er das Trauerspiel "Menschenhass und Reue", das ihn über Nacht berühmt macht. 1798 folgt er dem Ruf ans Burgtheater Wien. Nach literarischem Streit mit Goethe, Schiller und Schlegel kehrt Kotzebue nach Russland zurück, wo er als Spion festgenommen, aber später rehabilitiert wird. Seine rastlose Zeit geht weiter: 1802, dem Jahr der Uraufführung von "Die deutschen Kleinstädter" in Wien, siedelt er nach Berlin über und gibt die Zeitschrift "Der Freimütige" heraus. Im Jahr darauf begegnet er in Paris Napoleon, reist 1804 nach Italien und studiert bald in Königsberg die Geschichte Preußens. Schließlich wird er 1816 Staatsrat in Petersburg. Koetzebues überaus rege Reisetätigkeit und seine dauernde Streitsucht führen zu Ärger mit den Burschenschaften, die ihn als russischen Spion verteufeln. Am 23. März 1819 ermordet ihn ein fanatischer Student.
Kotzebue war der meistgespielte deutsche Bühnendichter seiner Zeit und mit 227 veröffentlichten Stücken über beinahe jedes Thema, das ihn bewegte, ein "Vielschreiber". Von den 601 Stücken, die während Goethes 26-jähriger Theaterdirektion in Weimar inszeniert wurden, stammen 87 aus der Feder Kotzebues. Seine zahlreichen Reisen gleichen meist einer Flucht, denn er ist ein unbequemer Dichter, der Streitschriften und zahlreiche Polemiken gegen Zeitgenossen verfasst. Er findet berufliche und künstlerische Anerkennung, ja wird berühmt und kann aufgrund des finanziellen Erfolgs als freier Schriftsteller leben.
Die Personen und ihre Darsteller